Jugendliche aus dem Projekt “Immer wachsen” in Santa Cruz do Sul/Brasilien haben eine Musikband gegründet. Sie wollen durch dieses großartige Hobby anderen Freude bereiten und ihre Freizeit sinnvoll nutzen. Wir stellen diese Gruppe und vier Jugendliche daraus vor.

Frau Vanessa Bauer, Sozialassistentin vom Projekt „Immer wachsen“ schreibt:
Die vier Jugendlichen, die untenstehende Berichte geschrieben haben, sind Teil der Musikgruppe KI GAROTADA die aus 9 Jugendlichen besteht. Diese Gruppe kommt aus dem Projekt „Immer wachsen“. Sie spielen jedes Mal besser und sind ein Beispiel der Weiterentwicklung und Motivation für die anderen armen Jugendlichen. Ich bewundere Ihre Beharrlichkeit und Fähigkeit Schwierigkeiten zu überwinden. Sie brauchen noch mehr Instrumente, denn die, die sie benutzen, sind ausgeliehen. Die Gruppe spielt auch bei verschiedenen Veranstaltungen und erobert so die Sympathien der Zuhörer. Ich möchte daran erinnern, dass sie alle sehr arm sind und aus Familien mit vielen Schwierigkeiten kommen (Favelas).
David Rafael R. dos Santos, 20 Jahre alt
„Als ich in das Projekt eintrat, war ich überrascht über die Menschlichkeit der Personen und der Monitoren. Ich habe verschiedene Werkstätten durchlaufen: Bäckerei, Schneidern, Informatik, Kunsthandwerk und Kerzen, Gärtnerei und was ich am meisten mochte: Singen. Der wichtigste Moment im Projekt war, als ich ausgesucht wurde um eine Berufsausbildung als Mechaniker in der Berufsschule SENAI zu besuchen (Anmerkung des Übersetzers: SENAI: Das ist eine Eliteberufsschule in Brasilien, von denen es in Brasilien sehr wenige gibt).
Als ich meine erste Anstellung fand, war das für mich ein Traum. Mein eigenes Geld zu haben und meiner Mutter und Brüdern helfen zu können, hat mich glücklich gemacht. Denn damals war es nur ich, meine Mutter und meine Brüder.
Heute arbeite ich an dem Platz der mich zu einem nützlichen Menschen gemacht hat, ich arbeite im Institut Humanitas Fraternität – Projekt “Immer Wachsen“, ich bin der Verantwortliche für Gesang und Gitarre. Ich bin zufrieden wo ich bin und möchte mich immer weiter entwickeln. Ich wünsche denen die mit der Fraternität in Brasilien zusammenarbeiten viel Glück und viel Licht.“
Fabiano dos Santos, 23 Jahre alt
Schulbildung: 8 Jahre Grundschule
“Ich nehme am Projekt seit 2004 teil, es ist der schönste Teil meines Lebens, ich lernte mit anderen Menschen zusammen zu leben, ich lernte was richtig ist und falsch. Ich liebte den Chor und Tanzen und arbeitete gerne in die Werkstatt für Kerzen und Schneidern. Der schönste Tag in meinem Leben war, als ich in die Tanz- und Singgruppe eintreten durfte, denn es war immer mein Traum, mich vor einem Publikum zu präsentieren und Applaus zu erhalten.
Im Projekt lernte ich viele Sachen, immer den Nächsten zu respektieren, in Harmonie zusammenleben, immer Gutes tun und an Gott zu glauben. Ich bin nur aus dem Projekt ausgetreten um einen Kurs, der vom Projekt vermittelt wurde, zu besuchen. Zur Zeit arbeite ich offiziell registriert (Anmerkung des Übersetzers: Also nicht Schwarzarbeit, was in Brasilien sehr häufig ist) beim Bürgermeisteramt auf dem Gebiet Recycling.
Mit großer Begeisterung half ich, unsere Musikgruppe zu gründen. Aber es fehlten die Instrumente, am Anfang spielten wir mit einem „Cavaco“ (brasilianisches Musikinstrument) und einem Eimer aus Aluminium, da baten wir das Institut Humanitas um Hilfe. Und wie immer, sie halfen uns. Heute machen wir unsere Vorführungen an verschiedenen Orten der Stadt Santa Cruz do Sul und unser Traum ist, eines Tages eine CD zu produzieren und unsere Kunst weiter zu verbreiten. So sind wir frei von Drogen und Kriminalität und gehen unseren eigenen Weg. Singen bringt den Menschen Freude und wir machen es mit viel Liebe.“
Jackson Michael Ribeiro, 18 Jahre
Lebt mit seinen 3 Geschwistern bei seiner Mutter
„Während meiner Teilnahme am Projekt war ich in einigen Werkstätten, ich erinnere mich an Kunst, Gärtnerei, Sport, Bäckerei, Informatik. Der Lehrer, der mich wirklich beeindruckte war der Sportlehrer Rafael Weiss, er lehrte mich Respekt zu haben, eine gute Zusammenarbeit mit anderen, er brachte mir auch bei, dass man nicht immer gewinnen kann, mit anderen Worten, wir werden nicht immer Gewinner sein, aber wir müssen mit unseren Niederlagen umgehen können. Aus diesem Grund erinnere ich mich immer an die Zeit beim Projekt, denn bis heute trage ich in mir diese und viele andere Sachen, die ich gelernt habe.
Ein Ereignis das mich tief beeindruckte war, als nach einem sehr guten Jahr ein Ausflug geplant wurde. Er war kein einfacher Ausflug, denn es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich das Meer sehen konnte. Und nach drei Stunden Reise da sah ich es, es war etwas das mich für immer beeindruckt hat.
Im Projekt lernte ich viele Sachen: Respekt vor anderen, ich lernte meinen Mund zu halten, wenn andere sprachen, ich lernte nähen, Fußball spielen, mit einem PC umzugehen, ich habe gelernt Unterschiede zu respektieren, ich lernte, dass nicht alles vom Himmel fällt, dass man sich anstrengen muss um unsere Träume zu realisieren. Ich verließ das Projekt nur weil ich eine Lehre begann – auch das hat mir das Projekt vermittelt.
Mit großer Freude spiele ich in der Musikgruppe KI GAROTADA. Am Anfang spielten wir nur aus Lust an der Sache und um eine berühmte Gruppe zu werden. Wir hatten nur einen Blecheimer als Instrument, verstanden nicht viel von Musik, später baten wir um Hilfe vom Projekt, weil wir keine Instrumente hatten. Es wurden uns einige ausgeliehen, aber es fehlt noch vieles, um eine berühmte Gruppe zu werden. Aber wir geben nicht auf und wir sind auch ein Beispiel für andere Jugendliche unseres Stadtteils. Danke für die Unterstützung!“
Clisman de Oliveira Calisto, 17 Jahre
Schulbildung: Grundschule und 1 Jahr Gymnasium
„Von 2005 bis 2009 war ich beim Projekt. Bevor ich dort aufgenommen wurde war ich mehr auf der Straße als zu Hause. Ich hatte auch nicht viel Freunde. Die Jahre im Projekt waren sehr emotional, denn dort lernte ich Menschen zu respektieren, begann viele Freundschaften mit anderen Personen, nicht nur mit Personen aus unserer Nachbarschaft, sondern auch aus anderen Stadtteilen. Am liebsten ging ich in die Werkstätten für Sport, Gärtnerei, Kunst und Informatik. Aber was ich wirklich am meisten mochte, das war Singen, denn meine Liebe zur Musik ist groß.
Ich lernte viele Sachen für mein ganzes Leben wie Respekt und Verantwortung und das Leben so zu sehen wie es ist. Ich lernte, wenn ich gut bin kann ich noch besser werden.
Wir gründeten die Gruppe, weil wir uns untereinander schon kannten und alle von einer Musikgruppe träumten. Wir begannen mit einem einfachen Blecheimer und momentan spielen wir mit geliehenen Instrumenten. Wir geben die Hoffnung nicht auf und sehen optimistisch immer in die Zukunft. Ich danke für alle Art der Unterstützung die ich erhalten habe, so dass ich jetzt ein besserer Mensch bin!“.
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