Das Projekt ist am Entstehen. Es soll in Zukunft den armen kinderreichen Familien dienen, damit sie ein Zentrum haben, wo sie lernen, ihr eigenes Leben durch unsere Hilfe zur Selbsthilfe zu meistern. Der Blick ist auf die gesamte Familie mit all seinen Mitgliedern gerichtet. Die Kinder brauchen am Allernötigsten unsere Zuwendung. Somit war gedacht, so schnell wie möglich mit Programmen für die Kinder zu beginnen.
Im Jahre 2006 kam die Idee zu diesem Kinderzentrum. Schwester M. Vitória Koch (Missionsschwester der Schönstätter Marienschwestern) arbeitet schon länger in der Sozialarbeit in Camobi – Santa Maria/RS. Dieser Ort liegt in Südbrasilien. Die Schwester sah die große Not der Kinder, besonders der 6-12 jährigen, die schon ihre eigenen Wege im Leben suchen. Sie sah z. B. dass die Kinder kein tägliches warmes Mittagessen haben, keinen Ort für Schulaufgaben, außerhalb der Schule auf der Strasse herumlungern, den Drogen und der Prostitution ausgeliefert sind. Niemand nimmt sie liebevoll auf. Es musste schnelle Hilfe geschaffen werden. Die Eltern können sich nicht um ihre Kinder kümmern. Sie erhalten keine Arbeitsstelle und sind arbeitslos; sammeln mühselig Müll zum Verkaufen, um wenigstens Milch, Reis und Bohnen für eine Mahlzeit zu erhalten. Und oft reicht dies noch nicht. Sie wohnen auch nicht in Häusern, sondern in “Hütten”, die eher als Schuppen aussehen, oft sind es nur Pappwände. Vielen fehlt es an fließendem Wasser und Strom. Diese Familien haben sich in Camobi am Bahndamm angesiedelt.
Mit großem Wagemut und ohne zu wissen wie die finanziellen Mittel fließen könnten, wagte Schwester M. Vitória den Anfang und plante mit ihren Mitschwestern ein Zentrum für diese Kinder und ihren Familien. Dieses Zentrum sollte den Kindern ein wenig Sonne und Freude ins Leben bringen und deshalb entstand auch schon der Name für das neue Bauprojekt “Sonnenwinkel”.
Bald schon fanden sich gute Freunde in der deutschen Heimat, die Spenden für das Grundstück des zukünftigen Kinderzentrums schickten. Es wurde ein Gelände am Anfang der Armensiedlung “Vila Jardim” erworben. Es liegt ganz zentral, nur einige Meter entfernt ist auch die öffentliche Schule und die Kapelle, wo die sonntägliche Katechese der Kinder stattfindet.
Da die notwendigen Gelder zum Start des Kinderzentrums fehlten, konnte erst ein Jahr später mit dem Bau begonnen werden. Es geht langsam voran, so wie die Spenden eingehen, wird gebaut bzw. Einrichtungsgegenstände gekauft. Im Oktober 2008 konnte der erste Bautrakt mit Küche, Toiletten und Speisesaal für die Essensausgabe beendet werden. Und am 3. November 2008 konnte schon mit der Kinderspeisung begonnen werden. Tage zuvor war die Einschreibung der Namen. Pünktlich um 10.30Uhr morgens standen schon 50 Kinder vor der Türe und freuten sich auf die erste warme Mahlzeit im Kinderzentrum. Danach gingen sie gesättigt und froh in die Schule. Ebenso am Nachmittag um 15.30Uhr kamen mit gleicher Freude andere 50 Kinder aus der Schule für ihre warme Mahlzeit. Die ersten Wochen haben sie soviel gegessen, nie blieb ein Rest auf dem Teller. Mit dankbaren und strahlenden Augen gaben sie ihren leeren Teller zum Spülen ab.
Am 19. Dezember 2008 war für alle 100 Kinder die erste Weihnachtsfeier im Zentrum. Für die allermeisten Kinder ein einmaliges Weihnachtserlebnis. Nach einer kleinen religiösen Weihnachtsfeier erhielten alle Saft und Kuchen, beim Abschied noch eine Tüte mit Süßigkeiten, die für die Kinder gespendet wurde.
Jetzt wird gewartet, dass der zweite Bautrakt bald fertig wird. Sehnsüchtig schauen die Kinder über den Zaum und beobachten die Arbeiter. Sie wissen, dass in diesem Bautrakt die “Sehnsucht ihrer Träume” untergebracht ist. In der Zukunft dürfen sie hier halbtags (außerhalb der Schule) ihre Schulaufgaben machen, an verschiedenen Kursen teilnehmen, auch hoffen sie auf einen Spielplatz. Hier ist also die pädagogische Betreuung der Kinder untergebracht. Außerdem sind hier auch Kurse für die Eltern und Grosseltern geplant, letztere sind sehr oft die Erzieher der Enkelkinder, weil die Eltern noch sehr jung sind. Auch werdenden Müttern soll in der Zukunft eine Begleitung gegeben werden, wie z.B. die Fertigstellung ihrer Baby-Erstausstattung.
Der zweite Bautrakt ist noch ein “Zukunftstraum”, weil noch einige finanziellen Mittel fehlen. Aber die Hoffnung wird nicht aufgegeben. Die strahlenden und dankbaren Kinderaugen geben immer wieder Mut und neues Vertrauen.